Sie interessieren sich für eine Hohlraumtrocknung nach einem Wasserschaden oder möchten zuerst einmal die Grundinfos über eine Hohlraumtrocknung? Wir verschaffen Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Informationen einer Hohlraumtrocknung – warum Hohlräume besonders gefährdet sind, das Verfahren einer Hohlraumtrocknung, sowie die Risiken und die Grenzen einer Hohlraumtrocknung.
Welche Bereiche zu Hohlräumen gehören und warum sie besonders gefährdet sind
Wie der Name schon sagt, besitzen Hohlräume kein festes Material. Sie sind konstruktionsbedingt Lufträume. Im Gebäude sind typische Hohlräume, der Spalt zwischen zwei Wänden, Deckenhohlräume, sowie der Fußboden. Außerdem zählen zu den Hohlräumen im Gebäude die Trockenbauwände, Leitungsschächte und die Holzbalkendecken. Heißt es dann auch, dass die Schimmelbildung an diesen Orten automatisch minimiert ist?
Leider nein, auch in Hohlräumen kann sich Schimmel bilden. Diese Bereiche sind vor allem besonders anfällig für Schimmel, da in ihnen keine gute Luftregulation vorhanden ist, was wiederum dazu führt, dass sich leichter Feuchtigkeit festsetzen kann. Zudem ist die Dunkelheit der Hohlräume besonders ansprechend für Schimmelbildung. Hohlräume sind vor allem für Schimmel ein fieser Ort, da dieser lange unbemerkt bleibt, da diese Bereiche nicht einfach einsehbar sind.
Verfahren einer Hohlraumtrocknung nach Wasserschaden
Schritte vor der Hohlraumtrocknung
Diese Schritte sind sehr komplex, weswegen wir Ihnen raten, diese nicht selbst umzusetzen, sondern eine Firma, welche haftet, für diesen Prozess zu beauftragen.
1. Ermittlung des Schadens durch Leckageortung
Bevor Sie mit der eigentlichen Hohlraumtrocknung anfangen, sollten Sie gründlich ermitteln, welche Bereiche betroffen sind. Es ist notwendig der Ursache auf den Grund zu gehen. Durch die Leckageortung kann die feuchte Stelle mittels einer Wärmebildkamera ermittelt werden. Dieser Schritt ist entscheidend, da andernfalls sonst im Dunkeln gearbeitet wird.
2. Feuchtigkeitsmessung und Dokumentation
Sofern Sie dies erledigt haben, empfiehlt es sich, die Feuchtigkeit zu messen. Diese Messung ist nicht nur für Sie als Orientierung hilfreich, sondern dient auch als Nachweis dafür, welche Fortschritte durch die Hohlraumtrocknung erzielt werden konnten.
Dokumentieren Sie nicht nur die Feuchtigkeitswerte, sondern auch die Feuchtigkeitsschäden und Folgeschäden. Nehmen Sie bestenfalls Fotos und Videos von den Schäden auf.
3. Trocknungsplan der beauftragten Firma
Nachdem Sie eine Firma für die Trocknung des Hohlraumes beauftragt haben, wird diese Sie zu Ihrem individuellen Fall beraten und Ihnen einen Plan über die verschiedenen Schritte der Hohlraumtrocknung erstellen.
4. Trocknung
In diesem Schritt wird je nach Trocknungsverfahren das passende Trocknungsgerät angeschlossen.
5. Endkontrolle und Feuchtigkeitsmessung
Der letzte Schritt des Trocknungsprozesses ist eine Endkontrolle, bei der unter anderem eine Feuchtigkeitsmessung durchgeführt wird, um sicherzustellen, dass keine Feuchtigkeit mehr im Hohlraum vorhanden ist. So gibt es die CM-Messung. Bei dieser Messung wird eine Probe des betroffenen Materials entnommen. Danach wird die Probe mit Calciumcarbid vermischt. Dieser Vorgang wiederum erzeugt Acetylen-Gas, dessen Druck gemessen wird. Dieser Druck ist ein aussagekräftiger Wert für die Ermittlung von Feuchtigkeit.
Auch wird üblicherweise ein Trocknungsprotokoll ausgestellt, wenn der Prozess beendet ist.
Vorgehensweise der Hohlraumtrocknung:
Eine Vorgehensweise der Hohlraumtrocknung ist, dass die trockene Luft durch einen Seitenkanalverdichter zur betroffenen Stelle geführt wird. Die Luft nimmt die Feuchtigkeit auf und entweicht aus den Löchern. Dies ist das sogenannte Überdruckverfahren. Dieses hat jedoch den Nachteil, dass die Luft, welche Feuchtigkeit und Bakterien aufgenommen hat, in die Raumluft zurückgelangt. Aufgrund dieser Verschmutzung tendieren viele zu der hygienischen Variante, dem Unterdruckverfahren.
Bei dem Unterdruckverfahren kommt es zu einem Absaugen der Feuchtigkeit. Dabei werden Bohrungen gesetzt. An diesen Öffnungen wird das Trocknungsgerät, welches die feuchte Luft absaugt, angebracht.
Demnach haben Sie die Auswahl zwischen dem Einführen von trockener Luft oder dem Absaugen feuchter Luft. Denkbar ist auch das sogenannte Schiebe-Zug-Verfahren. So besteht die Möglichkeit, dass die warme, trockene Luft herein geleitet wird. Diese nimmt die Feuchtigkeit auf und wird abschließend abgesaugt. Dies führt dazu, dass die Feuchtigkeit nicht in den Raum gelangt und trägt dazu bei, dass die übrige Feuchtigkeit im Hohlraum minimiert wird. Der Vorteil dieses Verfahrens ist, dass es zu keinen Beschädigungen kommt, da dieses Verfahren über Randfugen- oder Schlitzdüsen durchgeführt wird.
Nach dem Trocknungsverfahren kommt es zu einer Endkontrolle. Auch hierfür gibt es unterschiedliche Kontrollverfahren wie beispielsweise die CM-Messung.

Tipp: Handeln Sie nicht nur schnell, sondern auch sorgfältig. Viele möchten, wenn Sie Feuchtigkeit in Hohlräumen bemerken, unverzüglich handeln. Beim Handeln ist allerdings auch Sorgfältigkeit erforderlich. Wir empfehlen Ihnen, sich von einem Experten beraten zu lassen.
Vergleichstabelle von den verschiedenen Verfahren:
| Prinzip | Hygiene | Empfehlung | |
Unterdruckverfahren | Luft wird abgesaugt | Durch das Absaugen der Luft werden keine Bakterien verbreitet | Empfiehlt sich bei Verschmutzung oder bei Verdacht auf Schimmel |
Überdruckverfahren | Luft wird eingelassen | Es können viele Bakterien in die Luft gelangen | Bei unbelasteten Hohlräumen |
Schiebe-Zug-Verfahren | Luft wird eingelassen und abgesaugt | Sehr hygienisch durch die Kombination | Empfiehlt sich für große Flächen und bei Zeitdruck |
Unterstützende Methoden zur Hohlraumtrocknung
Zusätzlich können bei einer Hohlraumtrocknung auch noch HEPA-Filter eingesetzt werden, damit die ausgestoßene Luft mit möglichen Bakterien, Schimmelsporen oder anderen Keime nicht im Raum verteilt wird, sondern diese durch den HEPA-Filter gereinigt wird. Dieser Filter sorgt dafür, dass der Luft schädliche Stoffe entzogen wird und somit die Luftqualität nicht verunreinigt wird. Besonders eignet sich der Einsatz von HEPA-Filtern bei Verdacht auf Schimmel. Vor allem für Leute, die Asthma haben, empfiehlt sich der Einsatz von HEPA-Filtern, um gesundheitliche Gefährdungen zu minimieren.
Trockenbauwand: Wann kann getrocknet werden und wann muss ausgetauscht werden?
Die Möglichkeit einer Trocknung besteht bei leicht durchfeuchteten Materialien. Sofern die Trockenbauwand sehr durchfeuchtet oder mit Schimmel beschädigt ist, muss sie ausgetauscht werden. Eine Trocknung kommt meist in Frage, wenn die Beschädigung nicht zu stark ist. Zudem ist eine Trocknung machbar bei klarem Wasser. Ebenfalls sollten Sie an einen Austausch denken, sofern Risse und optische Veränderungen sichtbar sind. Handelt es sich hingegen um verschmutztes Wasser, welches sich festgesetzt hat, empfiehlt sich ein Austausch der Trockenbauwand aufgrund des gesundheitlichen Risikos.
Holzbalkendecken: Besondere Risiken
Holzbalken sehen nicht nur schön aus, sie lieben auch besonders Feuchtigkeit, was ein besonderes Risiko für eine Holzbalkendecke darstellt. Die Feuchtigkeit kann dazu führen, dass es zu Pilzbefall und Insektenbefall kommt. Ein bekannter Pilzbefall ist der sogenannte Hausschwamm. Hausschwamm ist deswegen so gefährlich, da er das Holz sehr schnell zerstört.
In vielen Fällen kann allerdings die Verkleidung erhalten bleiben, wodurch ein kostenintensiver Abriss umgangen werden kann.
Grenzen der Hohlraumtrocknung – Wann ist sie nicht geeignet?
Sie fragen sich, wann die Hohlraumtrocknung nicht geeignet ist? Grundsätzlich ist eine Hohlraumtrocknung nicht geeignet, sofern das betroffene Objekt stark durchfeuchtet, von Schimmel befallen ist oder stark verschmutzt ist, wobei eine Desinfektion an ihre Grenzen gerät. Auch ist das richtige Verfahren essentiell für die Trocknung des Objekts. Manchmal reicht das alleinige Verfahren für die Trocknung des Objekts nicht aus, weswegen Verfahren kombiniert werden müssen.
Wie lange dauert eine Hohlraumtrocknung nach einem Wasserschaden?
Die typische Dauer einer Hohlraumtrocknung dauert meistens wenige Tage bis 2–3 Wochen.
Allerdings ist der Dauer der Trocknung abhängig von Fall zu Fall, weswegen eine pauschale Auskunft nicht möglich ist. Die Hohlraumtrocknung richtet sich nach dem Ausmaß des Schadens, sowie in welcher Beschaffenheit sich die Hohlräume befinden.
Messtechnische Kontrolle während und nach der Trocknung
Wichtig ist, dass über den Zeitraum der Trocknung in regelmäßigen Abständen die Feuchtigkeitswerte kontrolliert werden, um feststellen zu können, ob das Verfahren anschlägt. Demnach sind Kontrollen wichtig, um Verbesserungen feststellen zu können. Es muss eine erhebliche Senkung der Messwerte erkenntlich sein. Bleiben die Werte gleichmäßig, schlägt das Trocknungsverfahren vermutlich nicht an.
Nach dem Abschluss des Verfahrens sollte eine Endkontrolle durchgeführt werden, um feststellen zu können, dass keine Feuchtigkeit mehr vorhanden ist. So bietet beispielsweise die CM-Messung, welche die Feuchtigkeit mittels Probenentnahme des Materials bestimmt, einen akkuraten Wert.
Dämmung von Hohlräumen
Wie sind Hohlräume gedämmt?
Viele Hohlräume enthalten eine Dämmung. So gibt es als Dämmung Mineralwolle, aufblasbare Glaswolle, Steinwolle, Perlit oder auch Holzfaser. Die Vorteile der Glaswolle und Steinwolle sind, dass sie umweltfreundlich und leicht zu verarbeiten sind. Ein weiterer Vorteil ist, dass sie nicht anfällig für Pilze oder Bakterien sind. Mineralwolle hat den Vorteil, Lärm einzudämmen. Auch ist die Mineralwolle nicht brennbar, wodurch sie nicht die Entfaltung eines Feuers fördert. Ein Nachteil des Dämmstoffes ist, dass er viele kleine Partikel enthält bei nicht sorgfältiger Verarbeitung, die in die Luft gelangen können und demnach eine Beeinträchtigung für die Atmung darstellen. Ein weiterer Nachteil der Mineralwolle ist ihre mangelnde Wärmespeicherkapazität. Holzfaser überzeugt durch die Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit.
Ist das Absacken der Mineralwolle auch möglich?
Ja, starke Feuchtigkeit oder Wasser stellt für sie ein ernstes Problem dar. Durch Wasser kann es dazu kommen, dass die Mineralwolle ihre Form und die dazugehörige Dämmungsfähigkeit verliert.
Zudem hat Feuchtigkeit auch Einfluss auf die Kapillarität. Sofern die Dämmung mit Feuchtigkeit in Kontakt tritt, steigt die Feuchtigkeit entgegen der Schwerkraft durch die feinen Hohlräume an die Oberfläche. So wird die Feuchtigkeit im Inneren nach oben gezogen. Sie können sich es wie bei einem Schwamm vorstellen.
Schachttrocknung: Wie funktioniert diese?
Ähnlich wie bei den anderen Trocknungen wird bei der Schachttrocknung die Feuchtigkeit entfernt durch ein angeschlossenes Trocknungsgerät an dem Schacht. Wenn das Trocknungsgerät an dem Schacht angebracht wird, wird Luft in den Schacht eingeführt. Die Luft soll die Feuchtigkeit aufnehmen. Ebenfalls besteht auch die Möglichkeit, dass über die Schläuche die Feuchtigkeit abgesaugt wird. Dieses Verfahren dient dazu, dass die Rohrleitungsschächte keine Beeinträchtigungen aufweisen, welche später zu Wasserschäden führen könnten.
In Schächten herrschen oft niedrige Temperaturen. Denken Sie aufgrund dieses Umstandes an den Adsorptionstrockner, da dieser optimal eingesetzt werden kann in kalten Umgebungen. Der Adsorptionstrockner filtert die feuchte Luft durch ein Trocknerrad, welches mit hygroskopischem Material beschichtet ist. Dies führt dazu, dass dem Material die Feuchtigkeit entzogen wird. Danach kommt es wiederum zur Erwärmung der entfeuchteten Luft. Dieser Vorgang soll dazu führen, die Stellen zu trocknen. Der Adsorptionstrockner kann auch bei niedrigen Temperaturen, wie bei -20 Grad, eingesetzt werden. Im Gegensatz zu dem Kondensationstrockner reduziert er die Feuchtigkeit stark. Dieser trocknet stark durchfeuchtete Substanzen effektiver als der Kondensationstrockner.
Deckenhohlräume: Eine besondere Schwierigkeit
Problematisch bei den Deckenhohlräumen ist, dass wenn in diesen Bereichen Feuchtigkeit herrscht, diese auch in das Dach ziehen kann. Dort kann die Feuchtigkeit lange unbemerkt bleiben. Auch ist es in diesen Bereichen aufgrund der mangelnden Luftströmung schwierig, die Feuchtigkeit zu entfernen.
Versicherung: Können die entstandenen Kosten bei der Versicherung eingereicht werden?
Oft übernimmt die zuständige Versicherung die entstehenden Kosten. Die Wohngebäudeversicherung ist zuständig, wenn Sie es mit durchfeuchteten Wänden zu tun haben.
Wichtig ist, dass Sie den Schaden sowie die dazugehörigen Maßnahmen ausreichend dokumentieren. So können Sie Leistungskürzungen entgegenwirken.
Dokumentieren Sie den Wert der Stromanzeige auf dem Gerät, um diesen der Versicherung mitzuteilen. In den meisten Fällen bekommen Sie allerdings auch nach Abschluss des Verfahrens ein Protokoll mit den dazugehörigen Werten von der Firma, die Sie bei dem Trocknungsprozess begleitet hat. Dieses Protokoll können Sie den zuständigen Parteien vorlegen für die Abrechnung.
In Kürze: Checkliste für den Notfall
Sie befinden sich noch in der Situation, in der der Wasserschaden akut ist? Dann beachten Sie die folgenden Schritte der Checkliste fürs Erste. Danach können Sie sich um die Trocknung kümmern.
Strom und Wasser sofort ausschalten
Entfernung von technischen Geräten und Möbeln
Dokumentation
Vermieter informieren
Versicherung kontaktieren
Suche nach einer geeigneten Firma für die Trocknung aufnehmen
Trocknungsverfahren
Sie fühlen sich nun immer noch überfragt und möchten die Meinung von einem Profi?
Kontaktieren Sie uns gerne! Wir beraten Sie individuell zu Ihrem Einzelfall und übernehmen die Kommunikation mit der Versicherung.

