Sie sind gedanklich noch bei Ihrem Wasserschaden, aber zugleich fragen Sie sich, ob das Wasser schon in die Dämmschicht gesickert ist? Bewahren Sie zuerst einmal Ruhe. In diesem Artikel klären wir, warum Wasser in die Dämmschicht eindringt und warum sie nicht von alleine trocknet.
Damit Sie sich die beschriebene Situation besser vorstellen können, haben wir für Sie eine Skizze erstellt, die den Aufbau eines typischen Fußbodens wiedergibt.
Aufbau eines Fußbodens:
Ein Wasserschaden stellt oft eine Gefahr für den typischen Fußbodenaufbau dar. Das Wasser, das den Fußboden durchsickert, gelangt in die Schicht des Estrichs und der Dämmschicht. Durch reines Aufwischen des Wassers vom Boden kann die Feuchtigkeit leider nicht behoben werden, da diese sich tief in den verschiedenen Schichten befindet. Demnach kann die Feuchtigkeit auf natürlichem Wege nicht aus den Schichten entfernt werden.
Um die Feuchtigkeit aus dem Estrich und der Dämmschicht zu entfernen, werden bei der Estrich- und Dämmschichttrocknung mittels Bohrungen die Feuchtigkeit abgesaugt oder trockene Luft hereingelassen. Bei dem Unterdruckverfahren wird die feuchte Luft mittels der Bohrungen durch ein Trocknungsgerät abgesaugt. Hingegen wird bei dem Überdruckverfahren mittels der Bohrungen warme Luft eingeflutet. Auch für das Verfahren einer Estrich- und Dämmschichttrocknung haben wir Ihnen eine Skizze zur leichteren Vorstellung erstellt:
Verfahren einer Estrich- und Dämmschichttrocknung:
Unterdruck und Überdruck-Verfahren: Wann ist welches sinnvoll?
Nun zur Frage, ob in Ihrem Fall ein Unterdruck oder Überdruck-Verfahren sinnvoller ist. Wie bereits schon bei dem vorherigen Punkt angesprochen, ist der Unterschied zwischen den beiden Verfahren, dass bei dem einen feuchte Luft abgesaugt wird und bei dem anderen hingegen warme, trockene Luft hereingeführt wird. Aber wie genau funktioniert es?
Überdruck-Verfahren
Mittels der Bohrungen wird durch ein Trocknungsgerät warme, trockene Luft in die Bohrungen eingeführt. Dies führt dazu, dass diese die Feuchtigkeit aufnimmt. Danach entweicht die feuchte Luft aus den Bohrungen. Es empfiehlt sich der Einsatz von einer Wärmebildkamera, wodurch feuchte Stellen ermittelt werden können. Nach diesen können dann die Löcher gebohrt werden.
Für dieses Verfahren spricht, dass es schnell und energieeffizient ist.
Ein Nachteil ist, dass die feuchte Luft nicht ganz so gründlich entfernt wird wie bei dem Unterdruckverfahren, was wiederum zu Schimmel führen kann. Problematisch könnte es auch werden, dass die verbrauchte Luft, welche Feuchtigkeit und Bakterien aufgenommen hat, in den Raum zurück gelangt. Dadurch kann es zu einer Verteilung von Bakterien und Keimen in der Luft kommen.
Unterdruck-Verfahren
Bei dem Unterdruck-Verfahren werden ebenfalls Bohrungen gesetzt. An diesen wird das Trocknungsgerät angesetzt, welches die feuchte Luft direkt absaugt. Der HEPA–Filter reinigt die feuchte, verschmutzte Luft, damit die Raumluft nicht verunreinigt wird.
Vorteile dieses Verfahren sind, dass die Schimmelbildung reduziert wird durch den gründlichen Vorgang. Dabei werden unangenehme Gerüche aus dem Boden, sowie auch Bakterien entfernt.
Nachteile dieses Verfahren sind, dass es länger dauert als das Überdruckverfahren und viel Energie verbraucht, wodurch es kostspieliger wird.
Schiebe-Zug-Verfahren: Kombination beider Methoden
Bei dem Schiebe-Zug-Verfahren werden verschiedene Verfahren, sowie deren jeweilige Vorteile miteinander kombiniert. So wird warme trockene Luft eingeflutet. Nachdem die trockene Luft die feuchte Luft aufgenommen hat, wird diese, inklusive der Bakterien, abgesaugt. Somit wird an einem Ende die trockene Luft eingeführt und am anderen Ende die Luft abgesaugt. Dadurch wird die Luftqualität nicht verschmutzt und das Risiko sinkt, dass Feuchtigkeit Reste bleiben. Allerdings ist dieses Verfahren durch den Einsatz von zwei Geräten kostspieliger.
Randfugendüsen-Verfahren
Bei dem Randfugen-Verfahren werden statt den Bohrungen, Randfugendüsen entlang des Bodens montiert. Die Düsen werden an den Randstreifen angebracht, wodurch es zu keiner Beschädigung des Estrichs kommt. Durch dieses Verfahren wird an einem Ende der Öffnung die warme Luft eingeführt und am anderen Ende wird die Luft abgesaugt. Dadurch wird die Feuchtigkeit gleichmäßig abtransportiert.
Dieses Verfahren ist sehr zeiteffektiv und hinterlässt keine Schäden. Auch ist es kostengünstiger als andere, da nach der Trocknung die Randfugendüsen ohne großen Aufwand entfernt werden können.
Fugenkreuz-Verfahren
Sofern Sie einen Fugenboden haben, ist das Trocknungsverfahren mittels dieses Verfahren ansprechend. Es ist ein ähnliches Verfahren wie das Verfahren mittels Randfugendüsen. Bei diesen Verfahren werden allerdings kleine Öffnungen gebohrt mittels eines speziellen Bohrers. Es kommt zur Absaugung der Feuchtigkeit über die gesetzten Düsen an den Öffnungen über die Fugenkreuze. Ein Vorteil dieses Verfahren ist, dass der betroffene Raum weiterhin genutzt werden kann.
Unterflur-Verfahren
Anders als bei den anderen Verfahren, werden beim Unterflur-Verfahren die Löcher von dem darunter liegenden Raum gebohrt. Dieses Verfahren bietet die Möglichkeit, sofern ein hochwertiger Boden nicht beschädigt werden soll, die Bohrungen von unten durchzuführen.
Unterstützender Faktor: Fußbodenheizung
Eine Fußbodenheizung kann die Trocknung beschleunigen durch deren Wärmeabgabe. Somit hat sie eine unterstützende Funktion für die Verdunstung. Die Feuchtigkeit wird aus dem Estrich gezogen und wird nach oben abgegeben. Eine Fußbodenheizung kann nützlich sein, aber bei Feuchtigkeit im Estrich reicht sie oft alleine nicht aus. Zudem muss die Fußbodenheizung sorgfältig eingesetzt werden. Läuft Sie auf zu hohe Temperaturen, kann es dazu führen, dass es aufgrund der zu starken Hitze zu Risse im Estrich kommt.

Tipp: Ermitteln Sie bei einer Fußbodenheizung mittels einer Wärmebildkamera, wo die Rohre verlaufen, um falsche Bohrungen zu vermeiden.
Sind in Ihrem Fall Kernbohrungen notwendig?
Kernbohrungen hören sich zuerst ungemütlich an, allerdings sorgen die Kernbohrungen dafür, dass die Feuchtigkeit aus dem Estrich und der Dämmschicht effektiv und schnell entfernt wird. Demnach empfiehlt es sich bei einem größeren Schaden, Kernbohrungen zu setzen, um die Feuchtigkeit zu entfernen. So vermeiden Sie spätere Schimmelbildung aufgrund der übrig gebliebenen Feuchtigkeit. Wie viele Kernbohrungen notwendig sind, richtet sich nach dem Feuchtigkeitsschaden und der Größe der betroffenen Stelle.
Dabei haben die Bohrlöcher einen Durchmesser von ca. 50 mm. Dieser Durchmesser ist meistens notwendig, damit die Schläuche ordnungsgemäß eingeführt werden können. Meistens wird ein Loch in der Mitte des Raumes gesetzt. Durch diese Bohrung kann die Feuchtigkeit aus dem Estrich gezogen werden.
Typische Trocknungsdauer einer Dämmschichttrocknung
Natürlich ist die Trocknungsdauer je nach Ausmaß des Schadens individuell, allerdings können Sie grob mit einer Dauer von 10 bis 21 Tage rechnen.
Diese große Zeitspanne lässt sich erklären, dass je nach Komplexität des Schadens es zu einer kürzeren oder längeren Trocknung kommen kann. Zudem ist auch ein entscheidender Faktor, seit wann Wasser in die Dämmschicht gesickert ist. Außerdem richtet sich die Dauer des Verfahrens nach der Temperatur, dem Ausmaß des Schadens, der Dicke des Estrichs, sowie ob der Bodenaufbau mehrschichtig ist. Auch gibt es zusätzliche Maßnahmen wie eine Fußbodenheizung oder Ventilatoren, die die Dauer des Trocknungsverfahrens beschleunigen.
Komplette Erneuerung des Estrichs notwendig?
Sie haben bis hier gelesen und befürchten, dass Ihr Schaden zu ausgeprägt ist und der Estrichs komplett heraus muss? Eine vollständige Entfernung des Estrichs ist nur notwendig, wenn er stark beschädigt worden ist. Darunter zählen auch die bereits vorhandene Bildung von Schimmel, Hohlstellen oder bereits vorhandene starke Risse. So ist bei einer Kontamination auch eine komplette Erneuerung aufgrund der Bakterien und Keimen notwendig. Ähnlich sieht der Fall aus, wenn Sie einen Trockenestrich haben, da davon auszugehen ist, dass dieser sich stark mit Feuchtigkeit aufgesogen hat, wodurch der Schaden durch eine Trocknung nicht behebbar ist.
Es gibt neben der kompletten Erneuerung des Estrichs auch noch die Möglichkeit, den Estrich zu desinfizieren. Die sogenannte Dämmschicht-Desinfektion. Dabei wird die Dämmschicht mittels Desinfektionsmittel gesäubert, damit werden die Keime und andere Bakterien von den Abwasserresten abgetötet. Die Desinfektionslösung wird von der Oberkante oder durch die vorhandenen Trocknungseinbohrungen in den Estrich eingebracht. Durch diese Vorgehensweise wird der Abriss verhindert.
Für eine komplette Erneuerung können auch mehrere Bodenschichten sprechen, da eine Trocknung der verschiedenen Schichten als schwer erscheint. Auch ist eine komplette Erneuerung des Estrichs denkbar, falls in Ihrem Fall das Trocknungsverfahren so lange andauern würde, dass ein neuer Estrich günstiger kommen würde.
Holen Sie sich in so einem Fall die Meinung von einem Experten ein. Auch wir sind mit ähnlichen Fällen vertraut und können Ihnen eine fachgerechte und professionelle Auskunft erteilen. Kontaktieren Sie uns für eine ehrliche, professionelle Meinung zu Ihrem Fall!
Grober Ablauf einer Erneuerung des Estrichs
Sofern Sie sich für einen neuen Estrich entschieden haben, können Sie mit diesem Ablauf rechnen: Zuerst werden Fachleute Ihren Fall begutachten und Sie über das Verfahren informieren. Danach kommt es zur Entfernung des Estrichs. Bevor der neue Estrich eingesetzt werden kann, muss die Fläche ausreichend gereinigt und vorbereitet werden.
Letzter entscheidender Schritt: CM-Messung
So wie es unterschiedliche Trocknungsverfahren gibt, gibt es auch unterschiedliche Messungen. Die CM-Messung sorgt für eine genaue Überprüfung der Feuchtigkeit im Estrich. Wichtig ist, dass die Probe nicht unter starker Sonneneinstrahlung stand. Bei dieser Messung wird eine Probe des betroffenen Materials entnommen. Die Zerkleinerung des Materials erfolgt durch einen Hammer. Danach wird die Probe mit Calciumcarbid vermischt. Dieser Vorgang wiederum erzeugt Acetylen-Gas, dessen Druck gemessen wird. Dieser Druck ist ein aussagekräftiger Wert für die Ermittlung von Feuchtigkeit. Es hört sich zuerst vielleicht aufwändig an, aber durch diese genaue Messung haben Sie Sicherheit. Sofern dann keine Restfeuchtigkeit mehr festgestellt werden kann, kommt es zur Verlegung des Bodenbelags.
Naheliegende Fragen:
Sind die Trocknungsgeräte sehr laut?
Die Trocknungsgeräte variieren stark von der Lautstärke. Einige Trocknungsgeräte können sehr laut sein, wodurch Sie sich in Ihren 4 Wänden unwohl fühlen können. Achten Sie bei der Auswahl der Trocknungsgeräte nicht nur darauf, dass Sie für Ihren Fall geeignet sind, sondern auch, dass Sie einen niedrigen Dezibel-Wert haben. Sofern Sie geräuschempfindlich sind, können Sie die Lautstärke reduzieren durch den Einsatz von Schalldämpfern. Als Richtwert können Sie bei den meisten Trocknungsgeräten mit einer Lautstärke eines Föhnes rechnen, allerdings laufen die meisten Trocknungsgeräte 24 Stunden.
Notwendiger Auszug bei Dämmschichttrocknung?
Dies ist je nach Fall abhängig. Manche fühlen sich durch den Einsatz des Trockners sehr beeinträchtigt. Vor allem große Trocknungsgeräte können dazu führen, dass sie nicht nur laut sind, sondern auch den Platz zum Wohnen wegnehmen. In den meisten Fällen ist ein Auszug dennoch nicht notwendig. Teilweise sind Trocknungsgeräte schon mit einem Timer versehen, der es ermöglicht, das Trocknungsverfahren, beispielsweise über die Nacht, zu stoppen, damit Sie in Ruhe schlafen können. Andere Trocknungsgeräte arbeiten 24 Stunden am Stück durch. Falls dies der Fall sein sollte, müssen Sie für sich selbst entscheiden, ob Sie dieser Situation ausgesetzt sein möchten. Ein entscheidender Faktor ist zudem, wie viel Fläche des Wohnraums betroffen ist.
Ein Auszug empfiehlt sich jedenfalls, wenn es zu großflächigen Schimmel kam, damit Ihre Gesundheit nicht gefährdet wird.
Wer zahlt den Strom für die Trocknung?
Durch die längere Nutzung der Trocknungsgeräte, benötigen diese auch viel Strom. Dies führt zu einer erhöhten Stromrechnung. Bleiben Sie als Mieter auf die hohen Stromkosten sitzen? Als Mieter haben Sie Glück, da die Stromkosten oft vom Vermieter übernommen werden. Damit der Stromanbieter Ihre Abschlagskosten nicht höher ansetzt, informieren Sie diesen über Ihre Lage. Notieren Sie sich den Wert der Stromanzeige auf dem Gerät, damit Sie auf der sicheren Seite sind. In den meisten Fällen bekommen Sie allerdings auch nach Abschluss des Verfahrens ein Protokoll mit den dazugehörigen Werten von der Firma, die Sie bei dem Trocknungsprozess begleitet hat. Dieses Protokoll können Sie Ihrem Vermieter und dem Energieversorger vorlegen für die Abrechnung.
Mietminderung möglich während des Trocknungsverfahrens?
Sie können als Mieter eine Mietminderung geltend machen, sofern Sie die betroffenen Räume nicht nutzen können. Die Minderung richtet sich danach, wie stark die Beeinträchtigung ist. Ebenfalls sind die Dauer der Trocknung, die betroffenen Räume und der Lärm entscheidende Komponenten für die Höhe der Mietminderung. Eine pauschale Auskunft über die Höhe der Mietminderung ist aufgrund der individuellen Umstände nicht möglich. Lassen Sie sich von einem Anwalt beraten.
Was Sie dokumentieren sollten
Eine Dokumentation ist das A und O, damit Sie sich absichern können. Sie sind Mieter? Informieren Sie Ihren Vermieter nicht nur über den vorherigen Wasserschaden, sondern dokumentieren Sie auch den Vorgang der Trocknung. Machen Sie Bilder und Videos von den jeweiligen Schritten.
Sie sind kein Mieter? Zwar fällt der Schritt weg, dass Sie Ihren Vermieter informieren müssen, aber eine ausreichende Dokumentation ist dennoch wichtig. Diese ist erforderlich, dass es zu keinen Leistungskürzungen von Ihrer Versicherung kommt, sondern Ihre Versicherung bestenfalls sämtliche entstandenen Kosten übernimmt. Dabei ist eine vollständige Dokumentation ein wesentlicher Bestandteil.
Lassen Sie das Wasser nicht noch länger in den Estrich sickern, rufen Sie uns an, damit wir Ihr Problem beheben können!

