Sie interessieren sich für eine technische Trocknung, wissen aber nicht recht, für welche Sie sich entscheiden sollen? Wir geben Ihnen einen Überblick über die verschiedenen Trocknungsverfahren. Dabei weisen wir Sie auf die jeweilige Anwendung und Dauer des Verfahrens, sowie auf dessen Vor- und Nachteile hin.
Warum ist überhaupt eine technische Trocknung erforderlich?
Ist eine natürliche Trocknung auch ausreichend?
Vielleicht kam Ihnen die Frage auf, warum Sie sich überhaupt für eine technische Trocknung entscheiden sollten. Reicht eine natürliche Trocknung nicht aus?
Dies ist von Fall zu Fall abhängig, aber grundsätzlich benötigt eine natürliche Trocknung oft zu lange Zeit. Dies sorgt oft dafür, dass sich die Folgemaßnahmen nach hinten verschieben und demnach der ganze Prozess länger dauert. Eine technische Trocknung kann gezielt überwacht werden durch Einsatz von Heizgeräten und Luftentfeuchtern.
Eine natürliche Trocknung hingegen durchläuft ihren eigenen, nicht steuerbaren Rhythmus.
Wann eine natürliche Trocknung nicht ausreicht
Richtiges Lüften und Heizen nach einem Wasserschaden hört sich für viele ausreichend an. Eine natürliche Trocknung ist denkbar, wenn es sich um einen kleinen und nicht komplexen Wasserschaden handelt und davon ausgegangen werden kann, dass der Zeitraum der natürlichen Trocknung überschaubar ist. Anders sieht es aus, wenn es sich um einen Wasserschaden handelt, der in die Dämmschicht und in den Estrich gesickert ist. Dabei hat sich die Feuchtigkeit oft tief gesammelt, wodurch es schwierig wird, dass die Feuchtigkeit ohne äußere Einflüsse entweicht. In so einem Fall empfiehlt sich die Beauftragung von Fachleuten, die eine professionelle Trocknung durchführen können.
Ähnlich ist es bei dem Fall von Schimmel. Bei Schimmel muss unverzüglich gehandelt werden, weswegen eine natürliche Trocknung nicht möglich ist.
Alle gängigen Trocknungsverfahren auf einem Blick
Das Trocknungsverfahren sorgt dafür, dass Ihr Estrich und Ihre Dämmschicht wieder in den ursprünglichen Zustand gebracht werden. Es gibt eine Menge an verschiedenen Trocknungsverfahren, weswegen wir Sie in Kurzform über die gängigsten Trocknungsverfahren aufklären möchten.
Kondensationstrocknung
Bei der Kondensationstrocknung wird die Luft entfeuchtet, indem sie stark herabgekühlt wird unter den Taupunkt, wodurch es zur Kondensation kommt. Danach kommt es wiederum zur Erwärmung der entfeuchteten Luft. Dieser Vorgang dient dazu die Stellen zu trocknen.
Adsorptionstrocknung
Die Adsorptionstrocknung hingegen filtert die feuchte Luft durch ein Trocknerrad, welches hygroskopisches Material besitzt. Durch dieses Material wird der Luft viel Feuchtigkeit entzogen.
Dämmschichttrocknung
Hingegen funktioniert die Dämmschichttrocknung durch Einbohrungen in den Boden. Mittels dieser Einbohrungen wird entweder die feuchte Luft abgesaugt oder warme Luft eingeleitet.
Bei dem Unterdruckverfahren wird die feuchte Luft an der betroffenen Stelle abgesaugt. Dieses Verfahren eignet sich besonders gut bei Schimmelbildung, da die Luft durch spezielle HEPA-Filter gereinigt wird, um Schimmelsporen abzufangen. Anders als beim Unterdruckverfahren wird beim Überdruckverfahren die warme trockene Luft in die Stelle eingeführt, welche die Feuchtigkeit aufnimmt und dann durch die Bohrlöcher entweicht. Das Unterdruckverfahren gilt als hygienischer, da die feuchte Luft abgesaugt wird und somit nicht in den Raum gelangt. Es besteht auch die Möglichkeit, diese beiden Verfahren miteinander zu kombinieren.
Mikrowellentrocknung
Bei der Mikrowellentrocknung werden Schwingungen erzeugt, welche wiederum Wärme erzeugen, die die Feuchtigkeit verdunsten lassen.
Infrarottrocknung
Bei diesem Trocknungsverfahren dringen die Infrarotstrahlen in die Substanz ein und erwärmen sie. Dies führt dazu, dass die Feuchtigkeit entfernt wird.
Kondensationstrockner
Wie funktioniert er?
Der Kondensationstrockner zieht die feuchte Luft mittels eines Ventilators ein. Danach wird die feuchte Luft im Gerät abgekühlt. Dies führt dazu, dass der Wasserdampf kondensiert. Dieser wird dann durch einen Schlauch abgeführt. Danach wird warme Luft eingeblasen, welche die Feuchtigkeit aufnimmt, die dann abschließend wieder abgekühlt wird und kondensiert.
In welchem Bereich kann er eingesetzt werden?
Er kann grundsätzlich überall in großen Räumen eingesetzt werden. So kann er in Wohnräumen, Kellern, Büros und Lagerhallen eingesetzt werden.
Was sind die Vor- und Nachteile?
Der Kondensationstrockner kann durchgehend laufen, was eine schnelle Trocknung enorm fördert. Zudem bietet der Kondensationstrockner die Möglichkeit, ihn mit anderen Geräten wie Ventilatoren einzusetzen.
Ein Nachteil ist, dass sich der Kondensationstrockner in einem größeren Raum befinden muss, damit das Verfahren erfolgreich durchgeführt werden kann. Der Kondensationstrockner wird grundsätzlich in wärmeren Räumen verwendet. Es ist ein Nachteil, dass kältere Räume die Leistungsfähigkeit vom Kondensationstrockner mindern. Ein weiterer Nachteil ist, dass der Kondensationstrockner sehr viel Energie verbraucht und somit die Stromkosten hoch sind. Informieren Sie sich bei Ihrer Versicherung hinsichtlich der Übernahme der Stromkosten.
Adsorptionstrockner
Funktion
Das hygroskopische Material des drehenden Trocknerrads des Adsorptionstrockners sorgt dafür, dass die Feuchtigkeit entzogen wird. Durch das in Bewegung gesetzte Rad wird immer wieder feuchte Luft eingezogen. Dabei wird die Feuchtigkeit so lange entzogen, bis es zu trockener Luft wird.
Adsorptionstrockner vs. Kondensationstrockner
Der Adsorptionstrockner kann auch bei niedrigen Temperaturen, wie bei -20 Grad, eingesetzt werden. So ist der Einsatz eines Adsorptionstrockners auch sehr geeignet für einen Rohbau. Er trocknet die stark durchfeuchteten Substanzen effektiver als der Kondensationstrockner.
| Verfahren | Anwendung | Dauer | Vorteile | Nachteile |
| Kondensations-trocknung | Feuchtigkeit wird entzogen durch Abkühlen der Luft | 1-6 Wochen | Energieeffizient, Unterstützung durch Ventilatoren | Nicht für kalte Temperaturen geeignet |
| Adsorptions-trocknung | Feuchtigkeit wird durch Trocknerrad entzogen | 2-6 Wochen | Kann bei kalten Temperaturen eingesetzt werden, reduziert gut starke Feuchtigkeit, Kombination mit Infrarottrocknung | Benötigt viel Energie (Stromkosten) |
| Dämmschicht-trocknung | Feuchtigkeit wird entzogen mittels Einbohrungen | 2-4 Wochen | Verfahren geeignet explizit für Dämmschicht | Sehr laut, hohe Stromkosten |
| Mikrowellen-trocknung | Feuchtigkeit wird entzogen durch Schwingungen | 3-7 Tage | Schnell, geringer Energieverbrauch, vielfältiger Einsatz | Hohe Kosten |
| Infrarottrocknung | Feuchtigkeit wird entzogen durch die Strahlung | 1-3 Wochen | Gut geeignet für Wände und Putz | Hohe Kosten / teure Anschaffung |
Kombination von Trocknungsverfahren
Durch Ventilatoren oder einem Turbo-Gebläse wird das jeweilige Trocknungsverfahren durch den gleichmäßigen Luftstrom unterstützt. Dies führt wiederum dazu, dass das Verfahren beschleunigt wird. So kommt es zu einer Kombination aus den jeweiligen Trocknungsverfahren und den Ventilatoren.
Es kann zudem auch noch zu einer Kombination mehrerer Verfahren kommen. Beispielsweise die Kombination aus Kondensations- und Infrarottrocknung. Auch ist die Kombination denkbar aus Adsorptionstrocknern und dem Einsatz einer Heizung, wodurch die Feuchtigkeit schneller verdunstet. Außerdem ist die gemeinsame Anwendung von einem Trocknungsverfahren und einem Entfeuchter ebenfalls eine Möglichkeit, damit die Feuchtigkeit schneller aufgenommen wird.
Wichtiger Faktor: Feuchtemessung
Egal für welches Verfahren Sie sich entscheiden, sind die Messungen der Feuchtigkeit entscheidend. Anhand dieser Messungen kann kontrolliert werden, ob und wie schnell das Trocknungsverfahren greift. Dadurch kann wiederum das weitere Vorgehen angepasst werden.
Praxisfragen zur Bautrocknung:
Wie hoch sind die Gesamtkosten bei einer technischen Trocknung?
Die Gesamtkosten einer technischen Trocknung liegen oft bei ca. 1.000 – 3.000 €. Dieser Betrag berechnet sich aus den gestellten Geräten, Einsatz von Fachleuten und den regelmäßigen Messungen, die bei einer technischen Trocknung anfallen.
Die Stromkosten setzen sich zusammen aus dem derzeitigen Strompreis und dem Einsatz der Geräte. Sofern ein Gerät den ganzen Tag durchgehend läuft, kann mit ca. 7 bis 50 kWh gerechnet werden, was mit dem derzeitigen Strompreis multipliziert werden muss. Ein Adsorptionstrockner benötigt öfters mehr Energie.
Fenster öffnen während der technischen Trocknung?
Lassen Sie die Fenster geschlossen bei einer technischen Trocknung.
Es könnte angenommen werden, dass die Fenster geöffnet werden sollen aufgrund der bestehenden Feuchtigkeit im Raum. Allerdings ist dieses Verhalten paradox, wenn draußen ebenfalls eine hohe Luftfeuchtigkeit besteht.
Sofern Sie die Fenster öffnen, verliert das Gerät an Funktion und Leistung aufgrund den Temperaturschwankungen.
Schadensminderungspflicht: Warum schnelles Handeln wichtig ist
Handeln Sie sofort, um Folgeschäden, wie Schimmel oder eine Beschädigung von Substanzen abzuwenden. Zudem werden Ihre Kosten minimiert, wenn der Schaden sich noch nicht in einem großen und komplexen Umfang befindet.
Melden Sie außerdem den Schaden unverzüglich Ihrer Versicherung, damit es zu keinen Leistungskürzungen kommt.
Ihr individuell passendes Trocknungsverfahren
Sie fühlen sich bei der Entscheidung des richtigen Trocknungsverfahrens überfragt? Verständlich! Fragen Sie gerne uns, damit wir das passende Trocknungsverfahren für Ihren individuellen Fall finden können.

