Hochwasser kennen die meisten. Jedoch kennt sich der Großteil nicht mit einer Hochwassersanierung am Gebäude oder im Keller aus, da er hofft, nie betroffen zu sein. Das Wetter spielte verrückt und nun sind Sie von Starkregen oder Hochwasser betroffen? Wir möchten Sie in dieser Situation unterstützen und Sie über eine Gebäudesanierung aufklären.
Unterschiede zwischen Hochwasserschäden und Leitungswasserschäden: Mit welchen Folgen Sie rechnen können
Wasserschäden, die auf defekte oder veraltete Leitungen oder Rohre zurückzuführen sind, sind als Leitungswasserschäden bekannt. Diese vollziehen sich demnach im Inneren des Hauses. Oft werden Leitungswasserschäden nicht unverzüglich bemerkt, da sie sich in den Wänden verdeckt halten können. Dabei kommt es zur Ausbreitung des Wassers im Mauerwerk.
Anders dagegen bei Hochwasserschäden. Diese entstehen durch Naturkatastrophen, Überschwemmungen oder Starkregen.
Bei Hochwasser drückt sich das Wasser von unten in das Haus. Demnach sind der Keller oder das Erdgeschoß zunächst betroffen. Die Folge daraus ist das Auspumpen des Kellers. Somit sind in erster Linie die Böden und die Wände betroffen, da sich das Wasser von unten hoch- und von außen hineindrückt. Bei Leitungswasserschäden hingegen sind primär die Wände betroffen aufgrund der verlaufenden Leitungen.
Diese Gefahren müssen bei Wasserschäden beachtet werden
Der Wasserschaden allein ist schon nervenaufreibend. Dazu kommt noch die Sanierung nach Starkregen, Hochwasser und die dazugehörigen Gefahrenquellen – die schnell übersehen werden können.
Zuallererst sollten Sie daran denken, in dem betroffenen Raum das Wasser und den Strom abzustellen. So vermeiden Sie die erste große Gefahrenquelle für sich.
Zudem gibt es auch noch andere Gefahrenquellen, wie die Kontamination, welche durch Fäkalien, Heizöl, Chemikalien und Keime verursacht wird. Um diesen Gefahren nicht ausgesetzt zu sein, empfiehlt das Bundesumweltamt, betroffene bewegliche Gegenstände zu entfernen. Hintergrund ist der, dass es nach 24 – 48 Stunden später schon zur Schimmelbildung kommen kann. Nachdem Sie die Gefahrenquellen beseitigt haben, können Sie mit der technischen Trocknung beginnen.
Wie Sie sich schützen können
Um sich vor Gefahrenquellen schützen zu können, empfiehlt es sich, Schutzkleidung bei der Beseitigung des Wasserschadens zu tragen. Durch das Tragen einer FFP2 – Maske verhindern Sie schädliche Stoffe einzuatmen. Auch das Tragen von Handschuhen und Gummistiefeln ist ratsam, um sich so vor Schimmelsporen zu schützen.
Der Ablauf einer Wasserschadensanierung
1. Standsicherheit prüfen
Zuallererst muss die Standsicherheit geprüft werden, um Gefahren und Risiken für sich und andere auszuschließen. Achten Sie auf mögliche Risse, abfallenden Putz oder senkende Decken.
Um eine Gefahr für sich selbst und andere ausschließen zu können, empfiehlt es sich, einen Spezialisten einzuschalten, welcher die Konstruktion des Gebäudes vor Ort begutachten kann. Dabei werden auch auffällige, erkennbare Schäden sowie die Funktionstauglichkeit von manchen Bereichen überprüft. Auch gehört dazu, die Entnahme von Baumaterial und das Durchführen von Feuchtigkeitsmessungen.
Wichtig ist, dass Sie den betroffenen Raum nicht zu früh auspumpen lassen. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass die Kellerwände einstürzen würden aufgrund des äußeren Wasserdrucks. Falls Sie das innere Wasser abpumpen lassen, kann der Raum nicht mehr von innen gestützt werden aufgrund des großen Drucks von außen. Das bedeutet, dass der innere Wasserpegel nicht unter dem Pegel des Oberflächenwassers liegen darf.
2. Dokumentation und Versicherung informieren
Dokumentieren Sie bestenfalls direkt nach dem Bemerken des Wasserschadens ihn und die dazugehörigen, betroffenen Gegenstände. Damit ist nicht nur das Schadensprotokoll mit den entsprechenden Daten gemeint, sondern auch die Übermittlung von Fotos. Dokumentieren Sie lieber zu viel als zu wenig. Die Dokumentation ist das A und O, damit Sie nicht auf den Kosten sitzen bleiben, sondern diese von Ihrer Versicherung erstattet bekommen.
3. Schlamm und Wasser entfernen
Entfernen Sie das Wasser so gut Sie es können. Da es sich oft um größere Wassermengen handelt, empfiehlt es sich, Fachleute für die Abpumpung des Wassers zu beauftragen. Nachdem das Wasser entfernt worden ist, ist es ebenfalls genauso wichtig, die Schlammschicht zu entfernen, um Folgeschäden zu verhindern. Der Schlamm könnte andernfalls trocknen und sich im Boden festsetzen und eine Gefahrenquelle durch die beinhalteten Keime und Bakterien darstellen. Auch könnten die Wände durch den Schlamm angegriffen werden und sich Feuchtigkeit unter ihm sammeln, wodurch wiederum der Boden für Schimmel anfällig wäre. Bei diesem Vorgang ist es ratsam, Schutzkleidung zu tragen, um keinen Schimmelspuren oder anderen Keimen ausgesetzt zu sein. Unter Schutzkleidung sind FFP2 – Masken, Gummistiefel und Handschuhe zu verstehen.
4. Rückbau kontaminierter Materialien
Durch eine Kontamination können gesundheitliche Beschwerden hervorgerufen werden. Die Bakterien und Keime, welche in verunreinigten Gegenständen festsitzen, sind nicht zu unterschätzen. Aus diesem Grund muss geprüft werden, ob Putz, Estrich oder Dämmung betroffen sind, um eine spätere ordnungsgemäße Wiederherstellung zu ermöglichen. Bei Hochwasser müssen grundsätzlich Dämmschichten immer entfernt werden, da diese sich mit Feuchtigkeit vollgesaugt haben. Hochwasser ist kein reines, sondern verschmutztes Wasser, welches Keime, Schmutz und Bakterien beinhaltet. Dies stellt die Basis für Schimmelbildung dar.
5. Reinigung und Desinfektion
Damit Keime ausgeschlossen werden können, ist eine anschließende Reinigung unerlässlich. Diese beinhaltet das Absaugen von Flächen mittels eines speziellen Filters oder durch einen chemischen Reiniger. So eignet sich besonders der HEPA-Filter, der die verschmutzte Luft reinigt, indem er die Staub- und Schmutzpartikel aufnimmt. Nachdem der ganze Schmutz entfernt worden ist, werden die gereinigten Flächen nochmals abschließend desinfiziert.
Eine Verunreinigung stellt nicht nur eine Gefahr für Sie dar, sondern ist auch oft mit unangenehmen Gerüchen verbunden. Sie fragen sich, was Sie dagegen unternehmen können? Die Antwort lautet: Ozon.
Durch Ozon-Desinfektoren wird der Geruch durch eine Oxidation neutralisiert. Denn das Ozon-Molekül besteht grundsätzlich aus drei Sauerstoffatomen. Sofern sich das Sauerstoffatom von dem Ozon-Molekül abtrennt, wird die ursprüngliche Zusammensetzung aufgehoben. Zugleich werden auch die organischen Verknüpfungen unterbrochen und demnach auch die Gerüche. Somit kommt es wie bei der Nebelerzeugung nicht nur zu einer Überdeckung des Geruchs, sondern der Geruch wird in seiner ursächlichen Zusammensetzung zerstört.
Ozon lässt sich in mehreren Bereichen einsetzen. So ist der Einsatz von Ozon nicht nur bei muffigem Geruch geeignet, sondern auch bei einem chemischen Geruch oder einem Geruch von Öl oder Brand.
Eine andere Möglichkeit, um Gerüche zu neutralisieren, ist auch die Nebelerzeugung. Dabei wird Trockennebel erzeugt, welcher sich im ganzen Raum verteilt und so in die kleinen Poren zieht. Dadurch kann er an den tiefgehenden Geruchsquellen ansetzen und diese entfernen.
6. Technische Trocknung – Diese Arten von technischer Trocknung müssen Sie kennen
Erst nach einer gründlichen Säuberung kann mit der technischen Trocknung begonnen werden. Die technische Trocknung beinhaltet die Entscheidung des passenden Trocknungsgeräts, sowie das Aufstellen und das Abbauen des Trocknungsgeräts.
Häufig wird eine Trocknung mittels Bohrungen durch das Unterdruckverfahren durchgeführt. Dieses Verfahren erleichtert durch das Absaugen der feuchten Luft den Erhalt einer hygienischen Raumluft. So gelangen durch das Absaugen der Feuchtigkeit keine Schimmelsporen in den Raum. Auch uns überzeugt dies, weswegen das Unterdruckverfahren ein fester Bestandteil unserer Leistung ist.
Durch das spezielle Luftentfeuchtungsverfahren – die Kondensationstrocknung – wird die Luft entfeuchtet, indem sie gekühlt wird. Dadurch kondensiert der Wasserdampf. Anschließend kommt es zur Erwärmung der entfeuchteten Luft, damit die Stellen trocknen. Der Vorteil dieses Verfahrens ist die einfache Handhabung und die sehr hohe Effizienz mit wenig Energieverbrauch.
Die Adsorptionstrocknung hingegen filtert die feuchte Luft durch ein Trocknerrad, welches hygroskopisches Material besitzt. Durch dieses Material wird der Luft viel Feuchtigkeit entzogen, indem sie eingezogen wird. Danach wird die Luft getrocknet.
Hingegen funktioniert die Dämmschichttrocknung durch Einbohrungen in den Boden. Mittels dieser Einbohrungen wird entweder die feuchte Luft abgesaugt oder warme Luft eingeleitet.
Es gibt außerdem die Mikrowellentrocknung und Infrarottrocknung.
Bei der Mikrowellentrocknung werden Schwingungen erzeugt, welche wiederum Wärme erzeugen, die die Feuchtigkeit verdunsten lassen.
Hingegen dringen bei der Infrarottrocknung die Infrarotstrahlen in die Substanz ein und erwärmen sie. Auch dadurch wird die Feuchtigkeit entfernt.
Besonders effektiv ist die Kombination aus der Bautrocknung, Dämmschichttrocknung und Infrarottrocknung. Die Feuchtigkeit im Raum wird durch den Kondensationstrockner entfernt. Zugleich wird durch das Unterdruckverfahren die Feuchtigkeit aus dem Boden abgesaugt. Durch den zusätzlichen Einsatz der Infrarottrocknung werden die betroffenen Stellen effektiv und zielgerichtet getrocknet.
Zudem können verschiedene Verfahren kombiniert werden. So besteht die Möglichkeit, das Trocknungsverfahren durch HEPA-Filter, welche die Schimmelsporen filtrieren, zu unterstützen.
7. Wiederaufbau
Mit dem Wiederaufbau kann erst begonnen werden, wenn die vorherigen Punkte fachgerecht ausgeführt worden sind. So kann ein neuer Sanierputz, neuer Estrich oder das Verlegen von Dämmung erst nach Abschluss der technischen Trocknung angefangen werden. Werden die vorherigen Schritte nicht fachgerecht ausgeführt, sind Folgeschäden absehbar.
Vollständige Entfernung des Fußbodens notwendig?
Typische Zeichen, die dafür sprechen, dass Ihr Fußboden heraus muss, sind ein muffiger Geruch, starke Verfärbungen, sowie Risse.
Oft erkennen Sie Feuchtigkeit bereits an dem eigenen, bestimmten Feuchtigkeitsgeruch. Auch ist Feuchtigkeit leicht an Ihrem Fußboden zu erkennen, sofern es sich bei Ihnen um einen Holzboden handelt. Denn dieser zeigt die Feuchtigkeit anhand eines aufgequollenen Bodens. Auch das Abfedern des Bodens, wenn er betreten wird, ist ein Anzeichen für Feuchtigkeit. Das Knarren des Bodens heißt nicht automatisch, dass der Fußboden von Feuchtigkeit betroffen ist, allerdings könnte es ein Indiz dafür sein.
Um Sicherheit zu haben, empfiehlt es sich, Fachleute heranzuziehen, welche Ihnen eine professionelle Einschätzung geben können, ob Ihr Fußboden entfernt werden muss.
Was ist besser: Gips oder Zement?
Gips und Zement haben beide Vor- und Nachteile. Ob Gips oder Zement besser geeignet ist, hängt von Ihrem individuellen Fall ab.
Die Vorteile des Putzes sind, dass durch ihn die Innenwände sowie auch Außenwände geschützt werden. Ein qualitativ hochwertiger Putz kann die Robustheit bekräftigen und so vor Schäden schützen. Zudem ist Putz kein Staubträger, was die Folge hat, dass es zu keiner Verschmutzung kommt.
Zement ist wasserabweisend, weswegen er gut geeignet ist für Badezimmer oder andere feuchte Räume. Hingegen stellt Feuchtigkeit oder Wasser für Gips eine schwächende Wirkung dar, da der Putz Feuchtigkeit aufzieht. Es verhält sich wie ein Schwamm, der aufgrund seiner Porenstruktur viel Feuchtigkeit aufnehmen kann.
Demnach erweist sich der Zement bei Räumen mit hoher Feuchtigkeit als die bessere Wahl.
Welche Versicherung übernimmt die Kosten für die Hochwasserschäden?
Bei Naturkatastrophen, sprich äußeren Wettereinflüssen wie Starkregen oder Hochwasserschäden, die keiner zu verschulden hat, greift grundsätzlich die Elementarversicherung.
Wurden durch einen Wasserschaden Wände oder Böden beschädigt, so greift die Wohngebäudeversicherung. Bei einer Beschädigung von beweglichen Gegenständen ist die Hausratversicherung einschlägig.
Wurden durch den Wasserschaden Wohnungseinrichtungen beschädigt oder zerstört, greift ebenfalls die Hausratversicherung. Tritt der Fall ein, dass durch den Wasserschaden auch Dritte beeinträchtigt werden, haftet Ihre private Haftpflichtversicherung für deren Schäden, sofern Sie den Wasserschaden zu verantworten haben.

Tipp: Informieren Sie sich bei Ihrer zuständigen Versicherung, ob grobe Fahrlässigkeit ebenfalls mitversichert ist. Somit würde Ihre Versicherung auch dann greifen, wenn der Wasserschaden auf Ihrem Verschulden basiert.
Wann müssen Sie den Schaden Ihrer Versicherung melden?
Sie müssen Ihrer Versicherung unverzüglich den Schaden melden. Andernfalls kann es dazu kommen, dass Ihr Schaden nicht vollständig übernommen wird.
Denken Sie als Mieter an dieser Stelle auch an Ihren Vermieter. Sie sind ebenfalls als Mieter verpflichtet, Schäden Ihrem Vermieter zu melden.
Zusätzliche Unterstützungsmöglichkeiten
Der Freistaat Bayern bietet finanzielle Unterstützung an, wenn Sie bei der Behebung von Naturereignissen Unterstützung benötigen. Dafür müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein. Beispielsweise unter anderem die Instandhaltung von Gebäuden oder die Reparatur von beschädigten Gegenständen. Informieren Sie sich über das Förderprogramm für Finanzhilfen bei Notständen, ob Sie in Ihrem Fall auch finanzielle Unterstützung fördern können.
Sie haben Fragen zur Sanierung oder möchten einen Rat zu Ihrer individuellen Situation? Dann kontaktieren Sie uns gerne. Wir unterstützen Sie, wo wir nur können. Wir begleiten Sie von der ersten Beratung zu Ihrer Gebäudesanierung bis hin zur Versicherungsabwicklung. Lassen Sie sich von unserer kostenlosen Erstberatung überzeugen!
